Mit dem Boot teste ich als Bloggerin das ortsunabhängige Arbeiten auf einem Boot.

Mehr Mut zum Boot: Ortsunabhängiges arbeiten deluxe

Seit Samstag arbeite ich das erste Mal als digitaler Nomade – also ortsunabhängig. 

Konkreter: Ich bin eingeladen worden, auf einem Schiff der Revier Charter GmbH in Mecklenburg-Vorpommern eine Woche lang eine Cloudlösung und das Versenden von verschlüsselten E-Mails der HKN GmbH auf einem Schiff zu testen.

Die Idee des ortsunabhängigen Arbeitens finde ich interessant und ich habe mich immer gefragt, wie diese Lebensweise konkret umgesetzt wird. Natürlich kenne ich die Blogs Planetbackpack, Earthcity und Wirelesslife, um nur einige Blogs zu nennen. Es selbst aber einmal zu erleben ist noch mal anders, als das reine Lesen.

Für mich hat sich die Frage gestellt, wie man Reisen und seine Arbeit unter einen Hut bringen kann. Besonders unter der Prämisse, dass damit auch der Lebensunterhalt bestritten wird. Natürlich liegt es auf der Hand, primär einen Job zu haben, der stark online orientiert ist. Webdesigner, Programmierer etc. brauchen meines Erachtens kein Büro.

Aber wie sieht es aus, wenn man als Freiberufler und Selbstständiger in traditionelleren Berufen unterwegs ist, zum Beispiel als Architekt, Texter oder – wie ich – als Kommunikationsberater?

Über meine Erfahrungen und über die Cloudlösung werde ich in einem meiner nächsten Posts dann berichten.

Ortstunabhängiges Arbeiten auf Probe

Ich bin wirklich gespannt, wie diese Reise für mich wird. Denn diese eine Woche hier auf der Aphrodite gibt mir die Möglichkeit, einen Einblick in diese Lebensweise der „Digitalen Nomanden“ zu erhalten. Und ich bin sehr gespannt, ob ich mit den veränderten Gegebenheiten (mobiles WLAN, unbekannte Menschen auf engstem Raum und die ständigen Unterbrechungen) zurechtkomme.

Die Woche ist so gestaltet, dass wir unsere Route selbst aussuchen durften. Dabei haben wir viele Tipps und Empfehlungen von Isabelle Ventelou bekommen, die zusammen mit ihren Eltern den Bootbetrieb leitet.

Was mich sehr beeindruckt hat: Egal, wie doof die Fragen sind oder wie oft wir anrufen, Isabelle verliert nie ihr Lachen. Egal, was ist und wann wir uns melden, weil irgendetwas nicht funktioniert (Toilette streikt) oder wir etwas nicht finden (die Grillplatte) – Isabelle ist da. Einen Abend kam sie sogar extra mit drei Flaschen Mischbier zum Quatschen zu uns am Hafen vorbei, was ich unglaublich nett fand.

Mut braucht manchmal Selbstbewusstsein

Aktuell fahren Ute alias Ruhrpottagentin und ich durch die Uckermark und Mecklenburg-Vorpommern. Ohne Bootkenntnisse und vor allem ohne Mann oder Männer. Und das scheint hier so etwas wie ein Novum zu sein, was mich auch zu diesem Artikel inspirierte.

Folgende Situation: Wir kommen in Lychen an, unser Boot ist für sechs bis acht Leute ausgelegt, hat eine Länge von rund 13 Metern und wiegt beladen 16 Tonnen.

 

Die Aphrodite der Revier Charter ist 16 Tonnen schwer und 13 Meter lang. Ausgelegt für sechs bis acht Personen.
Aphrodite 16 Tonnen, 13 Meter lang

Der Hafenmeister guckt zum Boot, blickt uns an, guckt wieder zum Boot und fragt, wo denn die Männer seien. Ute und ich schauen uns an – etwas verblüfft, weil wir mit der Frage echt nicht gerechnet haben – und erklären ihm, dass wir alleine fahren. Das wollte er erst nicht glauben. Dann aber hat er sich gefreut, dass es auch mal Frauen gibt, die eine solche Tour alleine machen. Diese Reaktion haben wir jetzt während unserer viertätigen Fahrt mehrfach erhalten. Und ich frage mich warum das so ungewöhnlich ist, dass zwei Frauen ein Boot fahren?

Denn ganz ehrlich: Das Schiff ohne Kenntnisse zu fahren, ist kein Hexenwerk. Es ist wirklich einfach, wenn man den Dreh einmal raus hat. Und das hat man spätestens am zweiten Tag. Ich habe den Eindruck, ein Mann würde sich da einfach keine Gedanken machen. Während unserer Fahrt treffen wir immer wieder auf Männergruppen, die einfach ein Boot gemietet haben, keine Ahnung von der Materie haben und los schippern.

Mädels, mehr Mut zum Boot

Diesen Mut und die Abenteuerlust würde ich mir hier auch bei mehr Mädels wünschen. Das Bootfahren hier bei Isabelle und ihrer Crew vom Revier Charter ist wirklich für jede Altersgruppe geeignet. Egal, was du für Vorkenntnisse hast oder evtl. gar keine Kenntnisse – so wie Ute und ich –, jeder kann diese Boote fahren.

Ich kann mir richtig gut vorstellen, wie hier so mancher Junggesellinnenabschied gefeiert werden könnte. Zwar herrscht ein absolutes Alkoholverbot an Bord, aber es ist witziger und entspannter als die 10.000ste Verkaufsralley durch die Kölner, Münsteraner oder Hamburger Innenstand zu machen. Finde ich.

Dazu kommt, dass diese Landschaft hier einfach grandios ist. Mich hat es ja immer ins Ausland gezogen, erst durch so eine Gelegenheit aber merke ich, wie schön wir es in Deutschland haben. Dafür bin ich echt dankbar.

Fazit:

Man braucht nicht immer für alles einen Führerschein. Manchmal reicht der gesunde Menschenverstand, ein bisschen Selbstvertrauen und Neugier auf das Unbekannte, um auch ein schwereres Gerät zu fahren. Einfach mal machen ist ein tolles Gefühl.

8 Kommentare zu “Mehr Mut zum Boot: Ortsunabhängiges arbeiten deluxe

  1. Mehr Mut zum Boot! Meine Rede! (Es fehlen allerdings Segel.) Glückwunsch zum “einfach mal Machen und Meistern” und danke für den Bericht. Remote-Arbeit und Boot eine Nummer größer und länger machen übrigens die Kollegen von Vast Forward: http://vast-floating.com/ – Deren Blog mit Updates zum Leben und Arbeiten an Bord verfolge ich äußerst gern.

    1. Hi Till,
      leider gab es auf dem Boot nur Motor und ich muss zugeben, damit waren wir schon komplett beschäftigt. 🙂 Danke für deinen Tipp mit Vast Forward! Das schaue ich mir auf jeden Fall an und bis dahin wünsche ich dir stets eine Handbreit Wasser unter dem Kiel ; )

  2. Das ist für mich der schönste Artikel, den ich je bei Dir gelesen habe. Meine Güte…klingt das platt, aber das ist mein erster Gedanke gewesen 🙂

    Und dieses elendige “Wo sind die Männer?”-Ding…pffff…denen hätte ich was erzählt 😀

  3. Pingback: #Bootblogger on Tour – Wasserstandsmeldung | Bootblogger & Überallarbeiter
  4. Ich finde Bootfahren ja toll. Und ihr seid dort in einer Gegend unterwegs, die ich schon immer mal bereisen wollte. Ist bestimmt großartig!
    Die Gesichter, wenn ihr zwei alleine dort rumschippert, kann ich mir gut vorstellen. Ist halt doch eher ungewöhnlich (was echt schade ist). Und ich bin da ganz deiner Meinung. Coole Idee für einen Freundinnentripp oder ähnliches. Wieso nicht?
    Lg Haydee

    1. Hi Haydee,
      du hast recht – die Landschaft ist wunderschön! Also, bei einem Freundinnentrip wäre ich auf jeden Fall dabei. Das ist wirklich nicht schwer, so ein Boot zu steuern. Jetzt weiß ich es ja 😉

      Liebe Grüße
      Daniela

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*