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re:publica 2015: Warum du die digitale Konferenz besuchen solltest

Sobald das Wort digitale Konferenz fällt, stehe ich unter Strom, denn seit dem letzten Jahr bin ich süchtig. Die re:publica ist DIE Konferenz für Blogger, Kommunikationsprofis und die, die es sein wollen. Sich selbst bezeichnet die re:publica als „EUROPE’S BIGGEST CONFERENCE ON INTERNET AND SOCIETY“. Jedes Jahr steht die dreitätige Veranstaltung unter einem anderen Motto, wobei schwerpunktmäßig netzpolitische Themen behandelt werden. Danach richten sich zwar eine Vielzahl der Vorträge, allerdings ist die Auswahl an Themenbereichen extrem vielfältig. Beispielsweise war das diesjährige Leitthema auf der re:publica „Finding Europe“. Entsprechend viele englischsprachige Vorträge gab es, wie zum Beispiel „Talk with Netflix CEO Reed Hastings“ .

Vernetzten, vernetzen, vernetzen

Zwar ist die re:publica eine Konferenz, aber im Grunde auch ein riesiges Klassentreffen und eine Filterblase par excellence. Denn ein Treffen bzw. Netzwerken unter Gleichgesinnten kommt einem manchmal vor wie ein schützender Cocon oder eben eine schöne Filterblase. : )

Die Vorträge sind oft spannend, aber den wahren Spirit, den die re:publica umgibt, findest du im Hof der STATION Berlin. Leute, die sich aus dem Netz kennen – persönlich oder nur vom Lesen – treffen sich dort, um miteinander zu reden und sich zu vernetzen. Große und kleine Blogger, Agenturchefs, Marketingmitarbeiter, Grafiker, Coaches, Mitarbeiter von Bildungsinstituten oder auch Studenten, das Besucherklientel ist but gemischt. Aber genau das macht das Treffen so spannend!

Der Hof der Station Berlin ist der wahre Treffpunkt der re:publica. Hier wird sich ausgetauscht und so mancher neuer Kontakt geschlossen.

Geh den ersten Schritt

Zur re:publica bin ich im wahrsten Sinne gekommen wie die Jungfrau zum Kind. Als ich mit dem Bloggen anfing, war es Christian Müller, der zur mir meinte: „Geh zur re:publica. Das kann für dich echt förderlich sein.“ Und ich war eher so: „Was soll ich denn da? Ich kenne da niemanden und auch sonst so ist das nicht mein Ding.“

Sehr clever von mir, sowohl eine Möglichkeit andere Blogger zu treffen als auch mich mit dem Thema „Digitale Kommunikation“ näher zu befassen, auszuschlagen! Christian ging erst gar nicht auf mein Jammern ein und fasste pragmatisch zusammen: „Du kennst mich und den Rest lernst du eben kennen.“ Damit war dann im Grunde auch alles gesagt. Das Ergebnis war, dass ich drei Tage mit unglaublich viel Input, Eindrücken und mit netzwerken verbracht habe.

Ja, es ist erst komisch auf Leute zu zugehen, die man nur von Twitter, Google+ und oder Facebook kennt. Aber das geht allen so, die das erste Mal auf der Konferenz sind. Ich beispielsweise wollte Klaus Eck kennenlernen, habe mich aber nie getraut ihn anzusprechen. Also bekam ich von meinem Netzwerk immer wieder Hinweise, dass Klaus Eck da sei und teilweise teilte man mir auch mit, wo er sich gerade befindet. An dieser Stelle: Danke ihr Stalker. 😀 Irgendwann habe ich mir ein Herz gefasst, habe ihn angesprochen und bin knallrot geworden. Soviel zum Thema „Souveränität“.

Grundsätzlich gilt: Du darfst jeden ansprechen und es wird sich geduzt, alles andere irritiert dein Gegenüber nachhaltig. Das musste ich auch erst lernen, als ich Kerstin Hoffmann siezte (gute Erziehung halt) und sie mich freundlich aber deutlich darauf hinwies, dass sich niemand auf der re:publica sieze.

Über den Tellerrand schauen

Die re:publica bedeutet aber nicht nur netzwerken, sondern lebt auch von den verschiedenen Vorträgen. Zusätzlich zu deinen Schwerpunktthemen empfehle ich dir fachfremde Sessions zu besuchen. Die Inhalte bieten oft weiteren Input, der sich mit deinen Themen verknüpfen lässt. So habe ich dieses Jahr die Session „Mensch, Macht, Maschine Wer bestimmt wie wir morgen arbeiten“ besucht und so mehr sowohl über die Arbeitsbedingungen als auch Arbeitsweisen bei Google erfahren. Unter anderem lernte ich, dass es Mitarbeiter gibt, die händisch pornografisches Material, das bei Google nicht auftauchen soll, suchen und löschen.

Nutze auch du die Chance Vorträge zu besuchen, von denen du erst denkst, dass sie uninteressant sind. Oftmals verbirgt sich hinter sperrigen Titeln eine echte Inputperle! Und so manch verheißungsvolle Beschreibung entpuppt sich im Gegenzug als echte Luftnummer. Die Beschreibungen der Sessions helfen dir, einen guten Überblick zu den Vertragsinhalten zu bekommen.

Kompliziert wird es nur, wenn mehrere Themen, die dich interessieren, zeitgleich angeboten werden. Und das passiert leider häufig. Aber! Viele Beiträge werden aufgenommen und später bei YouTube hochgeladen. So kannst du im Nachhinein noch Sessions sehen, die du verpasst hast.

In diesem Jahr gab es einen ganz besonderen Vortrag, bei dem ich am Ende Pipi in den Augen hatte: Alexander Gerst, deutscher Astronaut und zuletzt für sechs Monate auf der Raumstation ISS stationiert, berichtete mit viel Herzblut und Witz über seine Arbeit und seine Erlebnisse dort oben im All. Meines Erachtens war dies die beste Session während der gesamten re:publica und absolut sehenswert!

Eine Session, die ich gerne gesehen hätte, aber nicht geschafft habe, war der Vortrag von Thomas Wiegold und Sascha Stoltenow zum Thema Islamischer Staat (IS) und digitale Kommunikation. Die Session „The IS in us“ hat im Nachgang viel Lob bekommen, besonders weil beide mit einem ausgeprägten trockenen Humor ihre Session gestalteten. Den IS als „terroristisches Start-up“ zu bezeichnen ist schon sportlich.

Sehr sehenswert und hörenswert war der Vortrag „Schleichwerbung – Geld vs Recht & Moral“ von Rechtsanwalt Schwenk. Wer wissen will, ab wann man Werbung kennzeichnen muss, war hier richtig.

In Anbetracht des Mottos der re:publica fand ich die Themenvielfalt für Blogger wirklich gut. Sessions zur Impressumspflicht, Presserecht für Blogger oder Foto- und auch Urheberrecht waren ebenso vertreten, wie solche zum Datenschutz. Eine Übersicht und die Aufzeichnungen dazu findest du hier.

Entspannt bleiben und mitnehmen was geht

Drei Tage re:publica bedeuten ein volles Programm und das im wahrsten Sinne des Wortes: 800 SpeakerInnen auf 17 Bühnen mit 6.000 Besuchern waren dieses Jahr dabei. Zum Vergleich: Die Konferenz startete erstmalig 2007 und hatte 700 Besucher. Seitdem wächst die re:publica stetig und gewinnt immer mehr an Bedeutung. Wobei es innerhalb der Filterblase zunehmend kritische Stimmen gibt, die die Bedeutung relativieren und sie auch schwinden sehen, so zum Beispiel Christian Müller von sozial-pr. Aber es ist auch wie Thomas Knüwert schreibt: „re:publica ist, was man daraus macht.“

Mein Tipp: Schau dir erst vor Ort genau an, welche Session wann läuft. Dein Plan wird sich eh ändern, wenn du vor Ort bist. Allein deswegen, weil du mit diversen Leuten ins „Quatschen“ kommst. Babak Zand und ich hatten uns für einen Tag verschiedene Sessions vorgenommen. Ergebnis: Wir haben den ganzen Tag zusammen gesessen und über Content Marketing, Content Strategie, Positionierung und verschiedene andere Themen gesprochen. Dazwischen ergaben sich andere Gespräche mit Leuten, die wir kannten bzw. die wir uns gegenseitig vorstellten. Am Ende des Tages haben wir dann noch völlig spontan ein Interview gemacht, das ich demnächst veröffentlichen werde.

Fazit:

Die re:publica lohnt sich meines Erachtens perfekt zum Netzwerken. Die Stimmung empfinde ich als sehr inspirierend. Wobei es natürlich in der Natur der Sache liegt, weil man sich unter Gleichgesinnten aufhält. Die Möglichkeit verschiedene Vorträge auch zu fachfremden Themen zu hören, erweitert den Horizont. Und so wünscht sich manch einer, sobald der Alltag wieder eingekehrt ist, wieder in die Filterblase zurück. Wer also „Heimweh“ hat oder ein paar Impressionen der re:publica 2015 sehen möchte, der findet bei flickr eine schöne Auswahl an Bildern.

 

Einige lesenswerte Beiträge zur diesjährigen re:publica habe ich hier aufgelistet. Viel Spaß damit!

Ivana Baric-Gaspar: 5 Gründe, warum du bei der re:publica dabei sein solltest

Christian Müller: re:publica 2015: (M)ein Rückblick

Johannes Mirus: #rp15 re:view

Jonny Hauesler (Mitbegründer der re:publica): Über Vielfalt bei der re:publica

 

Wie sieht es bei dir aus – warst du auf der re:publica oder hast vor, im nächsten Jahr dabei zu sein?

 

Bilder: Christian Müller – sozial-pr.net

4 Kommentare zu “re:publica 2015: Warum du die digitale Konferenz besuchen solltest

  1. Servus,

    ja es war wirklich fantastisch, inspirierend, informativ und, und, und…ich komme nächstes Jahr bestimmt wieder! 🙂

    Danke für die Verlinkung.

    Liebe Grüße,
    Ivana

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