Ein Meetingtisch steht in der Mitte eines großen Büroraums. Darum herum sind weiße Bürostühle gestellt.

Wie gehe ich als Blogger mit ungebetenen PR-E-Mails um?

Wir Blogger kennen das. Da kommt eine Mail von einer Agentur und man freut sich über die Aufmerksamkeit. Dann ein Blick auf die Anfragen und schon ist klar, wo der Hase langläuft. 

Mitunter lässt sich beim Lesen der PR-Mail ein leichtes Pulsieren der Halsschlagader nicht unterdrücken. Aber! Jede Anfrage birgt Potenzial. Die Frage ist, wie gehst du damit um und wie nutzt du die Situation für dich?

Dazu macht dir der heutige Gastautor Kai Thrun einige hilfreiche Vorschläge, worüber ich mich sehr freue. Kai ist schon seit Jahren als Blogger im Netz unterwegs mit den Schwerpunkten Tech, Kommunikation, Reisen und Fotografie. Ihn selbst kenne ich über Twitter und diverse Veranstaltungen. Als Manager für die digitale Kommunikation eines bekannten Vergnügungsparks kennt er beide Seiten – die der Blogger und die der Unternehmen bzw. Agenturen. Mehr zu Kai findest du in der Autorenbox.


Das Zusammenspiel zwischen Bloggern und Agenturen bzw. Unternehmen ist ein Verhältnis voller Missverständnisse. Wie verhalte ich mich als Blogger, wenn mir eine unbekannte Agentur Infografiken oder Pressemitteilungen zusendet?

Bevor du nun auf Twitter deine Ablehnung darüber äußerst, nimm dich kurz zurück. Besinne dich. Denn dies ist der Moment, in dem dein Blog bzw. du als Blogger dich in einem geschäftlichen Umfeld bewegst. Dies scheinen Blogger gerne zu vergessen.

Dieser Blickwinkel verhilft aber dazu, sowohl wesentlich effizientere als auch professionellere Entscheidungen zu treffen. Im Folgenden möchte ich ein paar Varianten aufzeigen, wie man mit diesen E-Mails umgehen kann, ohne dass eine der beiden Seiten ihr Gesicht verliert.

Situation: Das Thema passt gar nicht

Das Thema interessiert dich nicht. Es passt nicht in dein Blog und von der Agentur hast du noch nie gehört. Der Fall ist eigentlich geklärt. Ich empfehle dir, suche die Agentur über Google, sofern es nicht das Unternehmen selbst ist. Mach dich schlau über das Unternehmen. Die einzige Ausnahme ist, wenn es sich um irgendwelche Glückspiel-Spammer oder augenscheinlich ins Nirwana führende Angebote handelt.

Option #1 – die Agentur: Wenn die Agentur für dich interessant erscheint, weise freundlich darauf hin, dass das Thema nicht zu dir passt. Sie mögen dir doch eine Themenliste zukommen lassen, welche Kunden Sie noch betreuen. Vergiss nicht, Sie haben dich aus irgendeinem Grund angeschrieben. Der Ball liegt bei dir. Sei freundlich, aber bestimmend.

Um deine Professionalität zu unterstreichen, schickst du Ihnen ein paar Stichwörter für Ihr CRM und hängst dein MediaKit an. Hinweis: In der Regel haben Agenturen kein Blogger-CRM. Sie würden es aber nie zugeben und schon wirkst du besser aufgestellt als dein Gegenspieler. 😉

Option #2 – das Unternehmen: Wenn ein Unternehmen dies tut, schaue, ob du und das Unternehmen auf einem anderen Themenfeld zusammenkommen könnt. Du bist mit dem Unternehmen bereits im Dialog, nutze die Situation für dich und mache ein Gegenangebot – sofern es etwas in der Produktpalette gibt, was du z.B. verlosen könntest. So einfach hast du ohne Mühe ein Gewinnspiel für dein Blog eingesackt.

Ich nutze diese Methode gern, wenn die Rede von »keinem Budget« ist. In der Tat fällt es Unternehmen leichter, Produkte für Gewinnspiele rauszuschicken, da dies meist gelernte Prozesse sind. Versuche nicht etwas zu ändern, was du nicht ändern kannst. Nutze die Möglichkeit für dich.

Die letzte Option ist die Absage oder das kommentarlose Löschen der E-Mail. Wenn du zweifelsfrei erkennst, dass es sich um eine schnöde Massenmail handelt, dann tue das, was Journalisten mit irrelevanten Pressemitteilungen tun: Ignoriere es einfach.

Situation #2: Das Thema ist interessant

Es kommt vor, dass der Absender ins Schwarze getroffen hat. Die zugeschickte Infografik ist tatsächlich interessant, aber Du möchtest dafür gern Geld bekommen. Du hast mit deinem Blog eine Reichweite erreicht, mit der du nicht mehr einfach Infografiken veröffentlichst.

Option #1 – nachverhandeln: Bedenke, du hältst dich in einem geschäftlichen Umfeld auf. Wenn du dich dort als Blogger halbwegs professionell bewegst, hebst du dich positiv aus der Masse ab (Vergiss das nicht!). Erkläre nüchtern und kurz in einem Gegenangebot, zu welchen Konditionen du dir eine Veröffentlichung vorstellen könntest. Sollte die andere Seite absagen, schicke in deiner Verabschiedung noch ein paar warme Worte, dass sie dich gern erneut anschreiben dürfen.

Option #2 – kein Budget: Wenn du gern Geld gesehen hättest, aber keins da ist, solltest du dir die Frage stellen, welchen Vorteil hätte ich durch die Veröffentlichung des Beitrages hättest? Und dann empfehle ich dir, einfach auf materiellem Wege nachzuverhandeln. Gibt es etwas – genau, für ein Gewinnspiel?

Option #3 – das Tauschgeschäft: Wieder ist über die Gewinnspiel-Abbiegung nichts reingekommen. Kein Problem, gebe nicht so schnell auf. Vielleicht gibt es etwas, wo ihr ins Geschäft kommen könnt. Es ist ein Software-as-a-Service-Anbieter und du lässt dir einen Account einrichten für 6 oder 12 Monate. Du handelst ein klassisches Tauschgeschäft aus.

Obacht: Der Marketing Manager auf der anderen Seite schläft auch nicht und wird vermutlich versuchen, ein Produkt-Review auszuhandeln. Je nachdem, wie heiß du auf die Software bist, gehe den Schritt mit. Du kommst ihm damit entgegen und ein Produkt-Review kann er intern vielleicht besser verkaufen (Dafür streichst du ggf. dann die Infografik).

Option #4 – exklusive Inhalte: Das Unternehmen oder die Agentur liegt dir thematisch. In dem Fall solltest du schauen, welchen Benefit du evtl. aus Folgeartikeln schlagen kannst. Kannst du mit einer bedeutsamen Person zu deinem Thema ein Interview machen? Lass dich auf ein Presse-Event einladen. Lass dich zur Firmenbesichtigung einladen. Bitte scheu dich nicht, deine Wünsche zu äußern. Auf der anderen Seite sitzt evtl. jemand, der sich freut, dass da noch mehr zu machen ist. So einfach ist eine Blogger Relation aufgebaut.

Es hat niemand gesagt, dass Blogger Relations immer von Unternehmensseite ausgehen müssen. Es stimmt, dieser Umstand gilt gern als gesetzt. Nutze diesen Irrglauben aus, um dir einen Vorsprung zu verschaffen.

Was ich dir mit auf den Weg geben möchte, ist ganz einfach: Wirf nicht die Flinte sofort ins Korn. Selbstverständlich werden immer mal wieder Anfragen kommen, die gar nicht ins Portfolio passen. Diese E-Mails kannst du freundlich und kurz beantworten oder eben löschen.

Ich empfehle dir, die E-Mais kurz zu beantworten, weil ich finde, dass es zum guten Ton gehört. Ich reiche fehlgeleitete Kontakte in mein Netzwerk weiter, wenn ich tatsächlich jemanden kenne, für den dies interessant sein kann.

Gerade wenn eine Agentur dahintersteckt, die augenscheinlich etwas größer ist, stehen die Chancen gut, dass sie auf dich irgendwann zurückkommt. Es kann dann hilfreich sein, wenn du noch einen Gefallen auf der Haben-Seite hast.

Du wirst etwas Übung brauchen und auch deine Erfahrungen sammeln. Wovon ich dir aber dringend abrate: einen schlechten Eindruck zu hinterlassen. Hand aufs Herz, es macht auch keinen Sinn, sich monate- und jahrelang eine »Reputation« aufzubauen aka in deinen guten Ruf zu investieren, um dann bei Geschäftsanfragen, so leichtfertig als patzig und unprofessionell daherzukommen.

Fang an, dein Blog wie ein kleines Unternehmen zu sehen, was es ja schließlich auch ist, wenn du damit den einen oder anderen Euro verdienst. Es werden viele Entscheidungen viel leichter fallen.

Wie siehst du das Thema und welche Erfahrungen hast du mit Agenturanfragen gemacht? Schreib sie mir in die Kommentare.


Kai ThrunDer digitale Generalist Kai Thrun besetzt aktuelle Themen und Trends der Online-Welt. Der Pragmatiker probiert Dinge direkt aus, noch bevor es die ersten Erfahrungswerte zu dem Thema gibt. Er gehört zu den Innovators und Early Adaptors, wenn es um die digitale Kommunikation geht. Diesen Wissensvorsprung hat Kai Thrun über die Jahre zu einem gefragten Ansprechpartner für digitale Kommunikation, Tech, Dubai und Blogging gemacht. Du findest ihn auf seinem Blog unter kaithrun.de oder auf jedem bedeutsamen Netzwerk.

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10 Kommentare zu “Wie gehe ich als Blogger mit ungebetenen PR-E-Mails um?

  1. Kann ich allem zustimmen, ausser “Gerade wenn eine Agentur dahintersteckt, die augenscheinlich etwas größer ist, stehen die Chancen gut, dass sie auf dich irgendwann zurückkommt. Es kann dann hilfreich sein, wenn du noch einen Gefallen auf der Haben-Seite hast.” Da würde ich nicht drauf bauen, da bei vielen Agenturen ein reger Personalwechsel ist und sich dann niemand mehr an dich erinnert… Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel. 😉

    1. Klar, da hast du natürlich recht. Aber in er Regel hilft es den Mailverkehr aufzubewahren. Und wenn gar nichts geht, dann würde ich die Zusammenarbeit auch unterlassen. Stichwort: Wertschätzung. 🙂

      Viele Grüße
      Daniela

  2. Danke für den interessanten Artikel. Wir als Agentur haben sehr häufig mit Bloggern zu tun. Vorab machen wir uns immer die Mühe, uns die Blogs genau anzuschauen und entscheiden dann, ob ein Blogger zur Marke oder zum Unternehmen passen könnte. Bei der Ansprache vermeiden wir die Fehler, die Kai oben erwähnt hat. Individualität und Wertschätzung sind das oberste Gebot für uns. Bisher haben wir immer sehr gut und erfolgreich mit Bloggern zusammengearbeitet.

    Allerdings möchte ich der Vollständigkeit halber erwähnen, dass es leider auch einige Blogger gibt, die sehr wahllos Unternehmen und Agenturen anschreiben und einfach nur Produkte bekommen möchten. Sie haben sich oftmals nicht mal mit der richtigen Schreibweise der Marke beschäftigt. Diese “Blogger” schaden damit tatsächlich auch dem Image der guten Blogger.

    1. Hallo Nadja,
      ich gebe dir völlig Recht, dass es auf beiden Seiten schlechte Anfragen gibt und sich damit die Spreu vom Weizen trennt. So zeigt sich dann, mit wem sich eine Zusammenarbeit evtl. lohnt und mit wem eben nicht. Aber diese Personen sind für mich auch keine Blogger. Es geht für sie nicht zwangsläufig darum, dass Beste für ihre Leser umzusetzen, sondern vielmehr kostenlos Produkte zu erhalten. Die Frage ist dann, wie erfolgreich sind sie mit ihren Anfragen. 😉

      Ich freue mich sehr, dass ihr eine gute Zusammenarbeit pflegt und schätzt. Damit sind beide Seiten zufrieden.

      Viele Grüße Daniela

    2. Liebe Nadja,

      ich stimme dir zu, dass es viele Blogger gibt – ich sitze tagsüber ja auch auf Unternehmensseite und bekomme diese Anfragen. Darüber werde ich in naher Zukunft auch schreiben. Generell halte ich das Feld der Blogger überwiegend als ein unprofessionelles Segment, was eben genau zu diesem Bild bei Unternehmer / Managern führt.

      Danke Dir für Deine Ergänzung!

  3. Hallo!
    Mein Blog ist noch relativ jung und ich habe auch noch keine Erfahrungen mit Kooperationen, Agenturen usw. In letzter Zeit bekomme ich sehr oft Anfragen via E-Mail von Online-Plattformen, die (anscheinend) versuchen, zwischen Influencern und Unternehmen zu vermitteln. Wie ernst sind solche Anfragen zu nehmen? Lohnt es sich da Zeit zu investieren um sich bei x-beliebigen Plattformen zu registrieren?

    1. Hallo Anita,
      deine Antwort hast du im Grunde schon selbst gefunden. Das Anmelden auf “x-beliebigen” Plattformen bringt in der Regel nichts. Mein Tipp ist: Prüfe was für dich passt, schau dir die Plattformen genau an, was bekommst du da, was ist deine Leistung usw. Dann kannst du besser einschätzen, welche Anfragen für dich interessant sein könnten oder nicht. 🙂
      Viele Grüße
      Daniela

  4. Hallo Kai,

    das sind schöne Denkanstöße für alle, die mit dem Bloggen versuchen, sich ein Standbein aufzubauen. Da ich – aus welchem Grund auch immer – in einer Treppenlift-Liste erscheine, lösche ich diese ungefragt, da ich die auch schwer meiner Zielgruppe verlosen kann (noch nicht jedenfalls) 😉

    Beste Grüße

    Sven

    1. Hi Sven,
      zur Not hilft auch mal zu fragen, woher die deine Adresse haben. Ich hatte mal den Fall, dass ich von Unternehmen zu allen möglichen Themen Pressemitteilungen bekam. Irgendwann habe ich rausgefunden, woher die meine Adresse hatten und habe mich an den Anbieter gewandt und darum gebeten mich unverzüglich zu entfernen. Das hat geholfen und ich hatte noch ein nettes und konstruktives Gespräch mit dem Anbieter. 🙂

      Viele Grüße Daniela

    2. Hi Sven,

      wie Daniela schreibt: Im Zweifel mal fragen. Das unkommentiere Löschen gehört sicherlich auch mal dazu, keine Frage – ich mache dies auch, aber es setzt beim Empfänger auch eine gewisse Erfahrung voraus.

      Danke für dein Feedback!

      Liebe Grüße,
      Kai

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