Alexa Brandt von der result GmbH im Interview: Digitaler Wandel & Zeitmanagement

Als ich die Blog4Business (B4B) geplant habe da war Alexa Brandt von result eine der ersten Teilnehmerinnen, die sich ein Ticket gesichert und direkt eine gut besuchte Session gegeben hat. Als die B4B 2019 zum zweiten Mal anstand, kam die Frage, ob result Sponsoren werden könnten. Das hat mich sehr berührt, weil es zeigt, dass die Blog4Business überzeugt hat und ein Unternehmen sich gerne dort präsentieren möchte. Ich durfte bereits in der Vergangenheit mit der Inhaberin Sabine an gemeinsamen Projekten arbeiten und schätze den Kontakt zu Alexa Brandt und result sehr. Zeit, dass wir uns über die Arbeit von result unterhalten, denn die Agentur beschäftigt sich stark mit dem digitalen Wandeln in Unternehmen.

bloggerabc: Als Digitalagentur unterstützt ihr Unternehmen beim digitalen Wandel. Was genau macht diesen Wandel aus und wie helft ihr Unternehmen konkret dabei?

Alex: Da wir ursprünglich aus der Medien- und Nutzerforschung kommen, haben wir die Entwicklungen, online mit Kunden ins Gespräch zu kommen, seit ihren Anfängen verfolgt. Unternehmen kommen zu uns, weil ihnen dafür notwendiges Know-how oder Manpower fehlen.

Bei Unternehmen, die sich komplett neu aufstellen wollen, schauen wir zunächst einmal gemeinsam, wo das jeweilige Unternehmen herkommt und wo es im Wettbewerbsumfeld gerade steht. Dann bringen wir in einem strategischen Prozess in Erfahrung, wohin die Reise zukünftig gehen kann und soll. Wichtig dabei finden wir, dass dies unter Berücksichtigung und Hinzunahme aller Beteiligten geschieht. Man kann sagen, wir moderieren ganzheitlich in die Zukunft und bringen dabei unsere langjährigen Erfahrungen ein.

Wer im Anschluss an diesen Prozess weitere Unterstützung benötigt, kann ebenfalls auf uns zurückgreifen. Unser Team erstellt Redaktionspläne, recherchiert Themen und schreibt Texte, kreiert lebhafte und aussagekräftige Animationen, Grafiken und Videos und postet diese auch gerne gleich auf den Social-Media-Kanälen der Kunden. Das Community Management, Monitoring und Schalten von Social Ads gehören ebenfalls zu unseren täglichen Aufgaben … kurz: Wer mag, findet in uns das viel beschworene »Rund-um-Sorglos»-Paket.

bloggerabc: Was ist eure Einschätzung bezüglich des digitalen Wandels? Seht ihr Trends und Entwicklungen, auf die sich Unternehmen bereits jetzt vorbereiten sollten, und wenn ja, welche sind das?

Alex: Wir stellen fest, dass Unternehmen sich auf die zunehmende Schnelllebigkeit, noch mehr Transparenz und eine dazugehörige Nahbarkeit einstellen müssen. Was ich meine ist, dass plakative Werbebotschaften zwar kurzzeitig wirksam sein können. Aber wenn dahinter kein tragfähiges Und steht, wird das den Unternehmen langfristig auf die Nase fallen.

Kunden erwarten mehr denn je, dass ihre Bedürfnisse ernst genommen und von Unternehmen proaktiv aufgegriffen werden. Das muss sich auch in der Kommunikationsstrategie und im Kundenmanagement spiegeln, um Kunden langfristig zu binden. Schließlich ist die Konkurrenz inzwischen nur einen Klick im Netz entfernt.

Ich verstehe schon, warum dieses kundenzentrierte Denken gerade im Marketing vielen immer noch schwerfällt: Immer nur über sich und sein Produkt zu erzählen, statt die Interessen des Kunden bereits in der Kommunikation aufzugreifen, hat lange Zeit funktioniert. Persönlich finde ich die Möglichkeiten, die Storytelling hier bietet, großartig, wenn sie gut gemacht und durchdacht sind. Platt darf es nicht sein und nicht beliebig.

Also: »Erzählt mir gerne was. Aber versucht nicht, Dinge mit Eurem Unternehmen in Zusammenhänge zu bringen, wo keine sind.« Und zu guter Letzt kann ich nur raten: Ran an die visuelle Kommunikation! Gut gemachte Animationen sowie aussagekräftige Bilder und Kurzvideos erreichen die Menschen umgehend. Gerade mittelständische Unternehmen vernachlässigen das Thema allzu oft. Dabei ist es insbesondere die Generation Z, die auf Bild und Video reagieren. Schön fand ich in diesem Zusammenhang den Satz: »Jugendkommunikation ist nun mal vor allem visuelle Kommunikation und der Trend geht ganz klar weg von der Werbebotschaft hin zur Wertebotschaft«.

Damit ist gemeint, dass nicht mehr das Produkt an sich zählt, sondern welche Werte sich dahinter verbergen. Das kann eine faire und ökologische Lieferkette oder eine bestimmte gesellschaftliche Haltung sein, für die das Unternehmen steht, um nur zwei Beispiele zu nennen. Unternehmen müssen sich zunehmend ihrer gesellschaftlichen Verantwortung stellen und im besten Fall auch politisch Stellung beziehen. Das zeigt beispielsweise Nike, das sich als Unternehmen pro-feministisch positioniert. Das Thema Werte nimmt gerade richtig Fahrt auf. Auch damit müssen sich Unternehmen zunehmend auseinandersetzen.

bloggerabc: Kein Interview auf bloggerabc ohne das Thema Blog. Ihr habt ein eigenes Corporate Blog, was ich natürlich hervorragend finde. Seit wann habt ihr euer Blog, warum habt ihr euch dafür entschieden und welche Vorteile habt ihr für euch festgestellt?

Alex: Tatsächlich hat unser Blog vor zwei Jahren sein zehnjähriges Bestehen gefeiert. 2007 gab es zwar schon die Blogs von Krones und Daimler, insgesamt aber war die Zahl der deutschen Corporate Blogs doch recht überschaubar – gerade bei kleineren Unternehmen. Der Grund, unser Wirkungsblog, wie wir es damals getauft haben, ins Leben zu rufen, basierte im Wesentlichen auf Lust an der Partizipation und dem Ausprobieren.

Einige Kollegen fanden es großartig, eine Plattform zu bekommen, auf der sie jetzt über unsere Studien, ihre Arbeit und ihre Gedanken und Ideen berichten konnten. Auch auf Twitter sind wir schon seit April 2008. So konnten wir unsere Inhalte gezielt verschlagworten und Menschen erreichen, die sich dafür interessierten und mit uns in Kontakt treten wollten. Für ein Unternehmen unserer Größe glich das einem kleinen Experimentier- und Zauberkasten zugleich.

bloggerabc: Welche Empfehlungen habt ihr für Unternehmen, die mit einem Blog starten wollen?

Alexa: Das lässt sich so allgemein nicht sagen. Im Prinzip gilt wohl für alle gleichermaßen der Rat: Macht Euch erst einmal Gedanken dazu, warum ihr bloggen wollt und was ihr euren Kunden damit bieten könnt. Also im Sinne von: Was bekommen sie in dem Blog von euch, was sie sonst vielleicht so nirgends kriegen? Was sind eure Themen? Könnt ihr sicherstellen, dass das Blog Kontinuität hat, optisch ansprechend ist und in Sachen Datenschutz auf dem neuesten Stand gehalten werden kann?

bloggerabc: Häufig kommt die Frage nach dem monetären Benefit eines Blogs. Wie geht ihr mit Fragen von Unternehmen um, die genau das wissen wollen?

Alexa: Ganz ehrlich: Für mich persönlich eine Reizfrage. Immer noch. Mal anders gefragt: Warum schalten Firmen Anzeigen? Warum machen sie Werbung? Genau: Sie wollen, dass ihr Produkt gekauft und die Marke wahrgenommen wird. Entsprechend selbstverständlich fallen Budgets aus. Ein Blog ist ein ergänzendes Instrument der Unternehmenskommunikation. Hier lässt sich nachhaltiger und tiefer kommunizieren als in der zeitlich begrenzten Werbung. Es hilft, das Gesamtbild von Produkten in einen größeren Zusammenhang zu bringen und damit die Werte und Ziele eines Unternehmens abzubilden, statt vereinzelt und verstreut bloß auf Produkte und Marke aufmerksam zu machen.

Ein Blog ist wie ein Haus, in dem es verschiedene Räume mit Türen gibt, durch die man es nach Belieben erkunden kann. Es zeigt Persönlichkeit. Bitte nicht falsch verstehen: Natürlich hat Werbung ihre ganz eigene Berechtigung. Dennoch: Niemand schneidet Werbeanzeigen aus und klebt sie in ein Album. Das Blog ist dagegen beständig. Es zeigt transparent und offen alle Facetten des Unternehmens, für die es sonst keine Plattform gibt.

Ein Blog ist also schlicht und ergreifend eine wirklich gute Möglichkeit für die Unternehmenskommunikation, die eigene Reputation zu stärken, nachhaltig Sichtbarkeit zu schaffen und – zunehmend wichtiger – Vertrauen aufzubauen.

bloggerabc: Ihr seid in diesem Jahr Sponsor bei der Blog4Business gewesen. Über euer Vertrauen in die Veranstaltung und eure Session habe ich mich sehr gefreut! Warum habt ihr euch dazu entschlossen, die B4B zu unterstützen?

Alexa: Ich war im vergangenen Jahr selbst auf der Veranstaltung und begeistert, was du dort mit der IHK Dortmund auf die Beine gestellt hast. Besonders den Mix aus festen Keynotes und den begleitenden freien Sessions fand ich stark. Tatsächlich wollen wir das in diesem Jahr für das von uns ausgerichtete fdl camp frech kopieren. 😀 Überhaupt unterstützen wir gerne Formate wie Barcamps, deren Themen wir wichtig finden und wo es neben großartigen Impulsen auch Zeit und Raum für den direkten und ungezwungenen Austausch gibt. So unterstützen wir etwa seit Jahren die deutschen Wordcamps der WordPress Community.

bloggerabc: Alexa, du bist Head of Content Creation bei der result gmbh, leitest als langjährige Redakteurin die Unternehmenskommunikation der Digitalagentur und betreust das Corporate Blog von result. Wie behältst du dein Zeitmanagement unter Kontrolle?

Alexa: (lacht) Gute Frage! Ich glaube, die wichtigste Voraussetzung dafür ist meine – ich nenne es mal – intrinsische Motivation. Ich habe echt Spaß an dem, was ich tue, auch wenn ich der Kommunikation in Social Media persönlich oft sehr kritisch gegenüberstehe. Aber von vorne: Als ich vor 20 Jahren als Onlineredakteurin bei der result anfing, wusste ich, dass ich meinen Job lieben würde. Die Möglichkeiten des Webs haben mich begeistert.

Die Schnelligkeit, mit der man nun weltweit mit Menschen in Kontakt treten konnte, fasziniert mich bis heute. Genau wie das kollektive Wissen, auf das ich selbstbestimmt und über jede zeitliche und räumliche Distanz hinweg zurückgreifen kann. Das ist doch immer noch der ganz große positive Wahnsinn, wie ich finde!

Zudem haben wir bei result ein tolles und hochmotiviertes, interdisziplinäres und inzwischen fast schon generationenübergreifendes Team sowie eine Geschäftsführung, die viel Raum zum Ausprobieren und für persönliche Entfaltung und Gestaltung lässt. Wir unterstützen uns gegenseitig und verfügen zudem über ein großartiges Netzwerk.

Zeitmanagement bedeutet für mich zunächst einmal, mir selbst Termine zu legen und diese einzuhalten – auch bei Aufgaben, die sicherlich geschoben werden könnten. Bei Kundenprojekten bin ich ohnehin sehr streng mit mir selbst. Wenn ich sage, dass etwas zu einem bestimmten Zeitpunkt fertig ist, dann ist es das in der Regel auch.

Eine gute Portion Selbstdisziplin und Verbindlichkeit sind das A und O für eine gute Zusammenarbeit. Erst dann kommen die Tools, die mich darin unterstützen. Ich probiere gerne Neues aus. Neulich erst meinte eine Freundin zu mir, so viele unbekannte Apps auf einem Smartphone habe sie ja noch bei niemanden gesehen. Gerade was die Content Creation angeht, bin ich immer wieder erstaunt, was für großartige Sachen es da gibt, um visuelle Highlights zu erstellen.

Alle paar Monate sortiere ich aus und schaue, was ich tatsächlich häufiger benutzt habe. Der Rest wird wieder gelöscht und macht Platz für die nächsten Tools. Im Team arbeiten wir zudem seit einiger Zeit mit Slack. Das finde ich einfach großartig. Jeder, der im Projekt mitarbeitet, bleibt bestens informiert. Da geht nichts mehr unter. Alles kann nachgehalten werden. Besser geht’s nicht.

Intern schreibe ich seither nahezu keine E-Mails mehr. Nur meine große rote Kladde, von der kann und will ich mich trotz digitaler Hilfen einfach noch nicht trennen. Auf Papier Gedanken festzuhalten, empfinde ich hin und wieder als sehr „heilsam“ neben all dem Digitalen. Es führt dazu, dass ich mir meiner Gedanken bewusster werde, bevor ich sie verschriftliche. Ein- bis zweimal im Jahr schaue ich mir meine kryptischen Texte, Zeichnungen, Ideen dann nochmal an und denke: Mensch, ja, da hattest du die umgesetzte Idee ja doch schon ganz gut skizziert. So eine Art Rückkopplung und Bestätigung der eigenen Arbeit ist das. Der Rest ist: Machen!

bloggerabc: Liebe Alexa, vielen Dank für das Gespräch.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*