Strategien fürs Blog: Best Practice richtig nutzen

Sie können inspirieren, motivieren, zur Veränderung anregen und Denkblockaden überwinden helfen. Die Rede ist – die Überschrift lässt es erahnen – von Best Practice Beispielen und Tipps. Erfolgreiche Blogs werden immer wieder hervorgeholt und als Vorbild dargestellt. Die meisten Artikel zu diesem Thema sind gut, bilden Tipps und Strategien ordentlich ab und zeigen, was die Blogs ausmacht.

Allerdings beobachte ich in Coaching- und Beratungsgesprächen zwei Probleme:

  1. Es werden immer wieder die gleichen – und daher bekannten – Blogs vorgestellt. Das ist zwar nachvollziehbar, kann Leser jedoch langweilen. Vor allem wenn du viele verschiedene Blogs rund ums Bloggen liest und immer wieder auf die gleichen Namen stößt, wirst du irgendwann abschalten und die Artikel nicht mehr lesen.
  2. Die vermittelten Best Practice Tipps klingen allesamt überzeugend und nachvollziehbar. Doch nach dem Lesen stellt sich eine Frage: Wie lassen sich die Tipps und Beispiele denn für dein eigenes Blog sinnvoll nutzen und umsetzen? Was in einem gut geschriebenen Artikel einfach klingt, kann sich in der praktischen Umsetzung als hoch problematisch erweisen.

Das erstgenannte Problem lässt sich nur lösen, wenn mehr Blogger – mich eingeschlossen – sich auf die Suche nach neuen Blogs machen und bei der Recherche bewusst nach bisher unbekannten Seiten suchen. Das macht zwar mehr Arbeit, ist aus meiner Sicht jedoch sinnvoll.

Wer hier Tipps für gute, bislang jedoch unbekannte Blogs hat, darf sich gerne bei mir in den sozialen Netzwerken melden.

Das zweite Problem ist Thema des heutigen Artikels. Denn im Lauf der Zeit habe ich – durch meine Coachees “gezwungen” – einen Prozess entwickelt, mit dem sich Best Practice Tipps auf konkrete Handlungen und Aufgaben herunter brechen und für das eigene Blog umsetzen lassen.

1. Best Practice richtig nutzen: Die Analyse

Wenig überraschend beginnt der Prozess mit einer Analyse der Best Practice Beispiele oder Tipps. Um den Prozess konkret zu machen, nutze ich einfach mal bloggerabc als Beispiel. Nehmen wir an, ich würde das einjährige Bestehen von Danielas Blog – es gibt da auch eine Blogparade – zum Anlass nehmen, das Blog als Best Practice darzustellen. Tipps könnten hier beispielsweise lauten:

 

bloggerabc ist durch die Regelmäßigkeit und Qualität seiner Artikel vorbildlich. Auch die Themenauswahl passt hervorragend zur Zielgruppe und macht das Blog für Leser attraktiv. Außerdem ist die Autorin in den sozialen Netzwerken aktiv und unterstütze Leser und angehende Blogger durch qualitativ gute Tipps.

 

Sicher, in einem eigenen Artikel würde das ausführlicher dargestellt. Doch mehr Worte bedeuten nicht unbedingt mehr Informationen. Selbst wenn im Artikel die einzelnen Punkte detailliert beleuchtet würden, wüssten Leser danach lediglich, wie bloggerabc arbeitet und publiziert.

Durch die bereits erwähnte Analyse kannst du jedoch damit beginnen, daraus Handlungsempfehlungen und notwendige Veränderungen für dein eigenes Blog abzuleiten.

Bei der Analyse solltest du dabei viel weiter vorne beginnen, als es zunächst scheinen mag. Bevor die beschriebenen Best Practice Tipps im Fokus stehen, solltest du dir das Blog anschauen. Für die Analyse haben sich folgende Fragen bewährt:

  • Welche Gemeinsamkeiten gibt es zwischen meinem Blog und dem dargestellten Best Practice Beispiel?
  • Welche Unterschiede gibt es?
  • In welchen Punkten will ich mich dem Beispiel annähern?
  • Welche Aspekte sind für mich nicht relevant?

Hier ist ein Grundsatz ganz wichtig: Bleibe dir und deinem Blog treu! Verbieg dich auf keinen Fall und versuch bitte nicht, ein erfolgreiches Blog zu kopieren. Authentizität ist entscheidend, wenn du langfristig erfolgreich sein und sichtbar werden willst. Das gilt auch, wenn du dein Blog als reines Hobby betrachtest. Sei immer du selbst, egal was die “großen” – ich mag dieses Wort ganz und gar nicht – tun.

Hast du diese grundlegenden Fragen beantwortet, folgen weitere, die sich mit den konkreten Tipps befassen. Die gerade erwähnte Authentizität setze ich hier voraus:

  • Welche der beschriebenen Methoden sind für mich intuitiv passend?
  • Welche wende ich bereits an?
  • Wie kann ich diese verbessern und ausbauen?
  • Welche Methoden will ich keinesfalls nutzen?
  • Weiß ich, warum ich diese Methoden ablehne?
  • Welche Methoden nutze ich noch nicht, würde ich jedoch gerne ausprobieren?
  • Was reizt mich an diesen Methoden?

Diese Fragen zielen darauf ab, dir dein Entwicklungspotenzial bewusst zu machen und es zu identifizieren. Die Best Practice Tipps – egal wie sie lauten – dienen dabei als Impulse und Ausgangspunkt deiner Reflexion und Analyse.

2. Relevante Informationen notieren

Diese Analyse führt der eine oder andere Blogger – mehr oder weniger bewusst – vielleicht bereits durch. Doch spätestens beim zweiten Schritt sabotieren sich viele selbst: Notiere dir die für dich relevanten Informationen. Dieser scheinbar banale Schritt hat drei wichtige Effekte:

  1. Beim Notieren überlegst du dir noch einmal, ob die jeweilige Information tatsächlich relevant ist. Du führst also eine Qualitäts- oder Relevanzkontrolle durch und stellst so sicher, dass du wirklich nur die wichtigen Informationen notierst.
  2. Wenn du etwas aufschreibst – auch wenn du es tippst – musst du dich nochmals damit befassen. Außerdem formulieren die meisten Menschen Gedanken und Informationen neu, anderes oder bewusster, wenn sie diese verschriftlichen. Auch das hilft dir dabei, die Informationen zu verinnerlichen.
  3. Wenn Du relevante Informationen notierst prägen sich diese nicht nur besser sein, du setzt dadurch auch den Denkprozess in Gang. Unterbewusst wirst du damit beginnen, die Informationen zu beleuchten, zu prüfen und daraus Ideen entwickeln. Das geschieht zwar auch ohne das Notieren, wird dadurch jedoch verstärkt.

Auch wenn es dir zunächst übertrieben scheint: Probier es bitte aus und notiere dir die Ergebnisse deiner nächsten Analyse von Best Practice Beispielen. Du wirst überrascht sein, was für einen Unterschied es macht.

3. Konkrete Handlungen ableiten

Konkrete Handlung
Hast Du die oben gestellten Fragen ernsthaft beantwortet und dir die relevanten Informationen notiert, dann hast du jetzt vermutlich schon ein vage Vorstellung davon, wie du die Best Practice Tipps für dich und dein Blog nutzen kannst. Jetzt gehst du einen Schritt weiter und machst aus dieser vagen Vorstellung konkrete Handlungen.

Beispiel 1: Nach der Analyse merkst du, dass dir beim Veröffentlichen von Beiträgen die Regelmäßigkeit fehlt. Die konkrete Handlung kann dann daraus bestehen, einen oder mehrere Tage zu bestimmen, an denen deine Artikel künftig online gehen. Hast du diese Handlung festgesetzt, musst du dich natürlich auch darum kümmern, wie du diesen Rhythmus einhalten kannst. Daraus folgen dann weitere Handlungen und Prozesse.

Beispiel 2: Du merkst durch die Analyse, dass es dir schwer fällt, für deine Leser interessant Themen zu finden. Eine konkrete Handlung kann daraus bestehen, eine Umfrage zu erstellen oder deine Leser in den sozialen Netzwerken anzusprechen. Auch der Einbau einer Umfrage in dein Blog oder einer Frage in Form eines Formulars – vielleicht auch über deinen Newsletter gestellt – kann hier helfen. Natürlich musst du dann die Antworten sammeln und daraus Konsequenzen ziehen. Auch hier folgen also weiter Handlungen.

Konkrete Handlungen aus den Informationen abzuleiten ist entscheidend. Denn eine reine Analyse bringt dich nicht weiter. Fortschritte sind nur durch Handlungen und Taten möglich.

4. Feedback einholen

Bevor du dich jetzt motivierst an die Umsetzung dieser Handlungen machst: Halte bitte kurz inne… und hol Feedback ein. Begeisterung und Euphorie können wunderbar motivieren und antreiben – doch sie können auch zum berühmten Tunnelblick führen, der dich für Risiken und Nachteile deiner Ideen und für anderen Optionen blind machen.

Daher halte ich es – basierend auf meiner Arbeit mit zahlreichen Coachees – für wichtig, sich vor der Umsetzung externes Feedback von Freunden oder Kollegen einzuholen. Mit Kollegen meine ich andere Blogger, denen du vertraust und die dir ehrliches – und fachlich fundiertes – Feedback geben können.

Aus meiner Sicht ist hier die Mischung entscheidend. Feedback sollte sowohl von Bloggern als auch von potenziellen, oder bestehenden, Lesern kommen. Erst danach solltest du die Handlungen angehen.

5. Umsetzen

Und jetzt: Auf die Plätze, fertig, los! Setz deine Pläne und Handlungen um, mach dich an die Arbeit und nutze Best Practice Tipps effektiv und sinnvoll für dein Blog. Und für alle, denen das jetzt zu viel Text war, gibt es hier die Kurzform. Ich wünsche dir viel Erfolg!

P.S.: Wenn du Fragen hast, ab in die Kommentare damit. Ich freue mich auf dein Feedback.

tl;dr Best Practice nutzen

Bildnachweise: Vladimir Nenov, Urheberrecht: alphaspirit / 123RF Stockfoto by 123rf.com

 


Christian MüllerChristian Müller arbeitet als Kommunikationsberater mit KMU und sozialen Einrichtungen, er ist unter sozial-pr im Web unterwegs. Er entwickelt Kommunikationsstrategien, berät und unterstützt beim Aufbau von Blogs, hält Workshops und Vorträge rund um Kommunikationsstrategie und Personal Branding.

Ergänzend ist er als Trainer und Coach im Mobile Video Bereich – der Videoproduktion mit Smartphones und Tablets – aktiv. Hier unterstützt er Social Media Teams, Freelancer, KMU und Journalisten bei der Konzeption und Produktion ihrer Videos und entwickelt Video-Formate.

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7 Kommentare zu “Strategien fürs Blog: Best Practice richtig nutzen

  1. Pingback: Die Social Web News der 24. Kalenderwoche
  2. Servus,

    Fragen habe ich nicht, aber Lob! 🙂

    Danke für den tollen Beitrag. Endlich einmal mehr, als nur “schauen Sie sich Best-Practice-Beispiele an”. Eine wirklich kompakte und easy-to-use Handlungsanweisung.

    Liebe Grüße aus Wien

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