So hilft Social Media bei der Themenrecherche

Social Media ist nicht nur eine Möglichkeit dem Alltag oder unangenehmen Aufgaben aus dem Weg zu gehen. Soziale Netzwerke können auch ein mächtiges Werkzeug für die Recherche sein.

Weiß. Leer. Kein einziger Buchstabe. Kein Wort. Kein Text. Auf dieses alltägliche Phänomen stoßen nicht nur Autoren, Journalisten oder Texter. Mit großer Wahrscheinlichkeit sogar Blogger. Was gibt es auch Schlimmeres als die „Schreibblockade“: Wenn man zwar seinen kreativen Kräften freien Lauf lässt, aber selber merkt, dass die Ideen nicht gut sind und der Bildschirm weiß bleibt …

Ein Umstand, der nicht nur Frustration, sondern auch Stress auslösen kann. Vor allem dann, wenn man einen Abgabetermin einzuhalten hat oder dem eigenen Redaktionsplan hinterherhinkt. Dieses Gefühlschaos verstärkt die Blockade. Eine aussichtslose Situation?

Nein. Mit einer guten Recherche lässt sich nicht nur ein Thema finden, sondern sogar ein ganzes Themenfeld erschließen. Der Vorteil: Man kann sich auf das Schreiben konzentrieren und hat weniger Frust und Stress.

Natürlich gibt es die üblichen Methoden, wie sie auch in der Wissenschaft oder im Journalismus Verwendung finden. Warum es nicht mal mit einem Ansatz versuchen, mit dem man sich in dieser Situation sonst eher ablenkt?

Was spricht für eine Recherche via Social Media?

Alle möglichen Inhalte zirkulieren stetig durch die sozialen Netzwerke. Mit der richtigen Strategie lässt sich diese Informationsflut nutzen, um die für sich und seine Zielgruppe wichtigsten sowie aktuellsten Meldungen herauszufiltern. Ein weiterer positiver Aspekt ist, dass diese Inhalte bereits mit auf die Interessen der potentiellen Leser zugeschnitten sind.

Die organische Suche, auch Organic Search genannt, ist ein Begriff für die Suchergebnisse einer Suchmaschine ohne den Einfluss finanzieller Mittel. Google, Bing und Yahoo besitzen alle einen individuellen Algorithmus, Was bedeutet, dass jede organische Suche zu einem Begriff unterschiedliche Ergebnisse erzielt. Diese Resultate spiegeln in etwa das wider, was für deine Zielgruppe im Moment von Interesse ist.

Die Möglichkeit die kontinuierliche Flut an Informationen nach relevanten Diskussionen zu filtern und Suchmaschinen zum Aufspüren aktueller Meldungen zu nutzen, sind für die Recherche von Themen äußerst hilfreich.

Social Media Inspirationsquellen für den nächsten Beitrag

Die einfachste Möglichkeit um an Nachschub für Ideen zu gelangen, ist die Nutzung von Twitter. Beiträge werden bei dem Microblogging-Dienst mit Rauten, auch Hashtag genannt, getaggt. Damit wird der Begriff innerhalb der Nachricht hervorgehoben und für die Twitter-Suche (eine Art Schlüsselwortsuche) verfügbar gemacht. Hashtags erleichtern damit die Themensuche auf Twitter, da nur die Themen relevanten Inhalte in den Suchergebnissen angezeigt wird.

Da sich die Nutzung des Hashtag bereits in anderen sozialen Netzwerken etabliert hat, wird es zunehmend wichtiger über den Twitter-Tellerrand zu schauen. Mit Hashtag-Tracking-Tools wie tagboard, kann auch auf Plattformen wie Facebook oder Google+ gezielt nach Schlüsselwörtern gesucht werden.

Mit dem Abonnieren mehrerer Newsletter ist es möglich, die Konkurrenz im Auge zu behalten, zu wissen, über welche Themen andere Blogger schreiben sowie up to date mit den neusten Meldungen im jeweiligen Bereich zu bleiben. Diese Informationen können auch genutzt werden, um beliebte Themen aufzugreifen und mit einer anderen Sicht / Meinung wiederzugeben.

Man sollte allerdings der Versuchung widerstehen, möglichst viele Newsletter zu abonnieren. Auch wenn diese in einem separaten Ordner im E-Mail Programm verstaut werden können, verliert man doch Recht schnell den Überblick. Eine Newsletter-Suchmaschine (für Deutschland, Österreich und Schweiz) erleichtert ein wenig die Recherche nach dem richtigen digitalen Nachrichten-Blatt. [Ein englisches Pendant habe ich bis jetzt vergeblich gesucht.]

Um sich von der eigenen Blockade abzulenken, surft man gerne durch das Netz. Warum nicht diese Zeit nutzen und nach den aktuellen „Trending Topics“ (dt. Trend-Thema) schauen? Hierbei handelt es sich um Begriffe und Themen, die im eigenen Land oder sogar weltweit die größte Aufmerksamkeit erfahren.

Ein sehr schönes Beispiel ist die Diskussion zum #TheDress im Februar 2015. Es ging um ein Kleid, dessen Farbe als #weißgold oder #blauschwarz wahrgenommen wurde. Die Twitter-Debatte generierte mehr als 11 Millionen Tweets innerhalb weniger Tage:

Um solche Trends aufzuspüren, bedarf es natürlich einer guten Recherche. Werkzeuge wie Trendsmap oder Google Trends zeigen die beliebtesten Begriffe auf nationaler oder internationaler Ebene an beziehungsweise es können bestimmte Suchbegriffe angegeben werden, um sich deren Suchvolumen anzuschauen.

Man sollte sich allerdings die Frage stellen, ob ein Trend zum eigenen abgesteckten Themengebiet passt. Versucht man mit themenfremden Artikeln seinen Blog zu puschen, kann dies längerfristig der eigenen Reputation schaden und man verliert mitunter die Glaubwürdigkeit bei seiner Leserschaft. Falls man schon zu den etablierteren Bloggern oder anderen Social Media Influencern zählt oder zumindest eine kleine Leserschaft um sich gescharrt hat, spricht nichts dagegen diese nach Themenvorschlägen zu fragen. Die Interessentengruppe kennt einen schließlich am besten und hat eine gewisse Erwartungshaltung was die eigenen Inhalte angeht.

Statt also alleine auf Themenrecherche zu gehen, ist es einfacher und effektiver bei der eigenen Zielgruppe Feedback einzuholen. Kollagen oder Mind-Maps helfen dabei Ideen zu entwicklen und auszuarbeiten. Diese kreative Art des Brainstormings wird auch virtuell genutzt. Mit Hilfe von digitalen Pinnwänden sammeln Internet-Nutzer Ideen zu Rezepten, Dekorationen und vieles mehr. Inspirierende Inhalte können auf die gleiche Weise gesammelt und an einem Ort gespeichert werden. Man muss nicht zwingend Pinterest verwenden. Alternativ kann man zum Beispiel auch Juxtapost oder GimmeBar verwenden. Wenn man „Pin-faul“ ist oder schlichtweg einem die Zeit fehlt, lassen sich auch die Suchmaschinen der Netzwerke zu eigen machen und so auf Inspirationssuche gehen.

Themenrecherche mit Digg, Reddit & Storify

Digg ist ein Social Bookmarking-Dienst. Nutzer verweisen auf Beiträge, Pressemitteilungen oder Nachrichten und bewerten diese. Für die Gemeinschaft relevante Meldungen gewinnen so an Popularität.


Die Nutzer des Social News Aggregator Reddit suchen sich Themen mit Hilfe von Filtern, den sog. Subreddits. Nutzerbeiträge werden so individuell thematisch sortiert. Diese Beiträge können von anderen Nutzern positiv oder negativ bewertet werden. Beide Dienste sind gute Anlaufstelle, um aktuelle Themen im Auge zu behalten.

Storify ist dir vielleicht als Instrument zum Kuratieren und Einbinden von digitalen Inhalten auf Websites bekannt. Per Drag-and-Drop können Nachrichten oder Timelines bzw. Newsfeeds mit den auf Twitter, Facebook oder Instagram gepostete Inhalte erstellt werden.

Einige Medienorganisationen nutzen Storify beispielsweise für Augenzeugenberichte oder als interaktive Ergänzung zur Berichterstattung auf ihren Webseiten.

Natürlich verfügt dieser Dienst über eine Suchmaschine, mit der sich eine gute thematische Recherche vornehmen lässt. So erhält man nicht nur einen guten Überblick über aktuelle Diskussionen, sondern auch gleichzeitig ein Protokoll mit den wichtigsten Argumenten.

Social Media kann ein sehr gutes Tool für die Themenrecherche sein. Wie mit jedem Werkzeug, bedarf es ein wenig an Übung bis sich ein eigener Nutzwert für die Recherche erzielen lässt:

„Social Media ist ein sehr gutes Instrument für die journalistische Recherche. Stimmungslagen zu bestimmten Themen lassen sich ermitteln. Es finden sich sehr oft außerordentlich gute Tipps und Verweise zu Quellen, die verwendet werden können, um unterschiedliche Perspektiven zu Themen zu bekommen. Für manche Ereignisse wie die Unruhen in London und Fukushima war es sogar die erste Quelle für mich, um tiefer in die jeweilige Thematik einsteigen zu können. Ich bekam über Social Media Hinweise zu Webcams z. B. während Hurricane Irine, Polizeifunkmitschnitte genauso wie Ansprechpartner und Experten zu bestimmten Themen, die ich über keine ‘klassische’ Suche gefunden hätte.“ – Steffen Konrath, Liquid Newsroom

 


Stephanie Kowalski ist Co-autorin auf bloggerabcStephanie A. Kowalski ist eine Content Marketing Mangerin und Kaffeeliebhaberin. Ehrenamtlich ist sie als @HootsuiteDE Ambassador tätig. Auf Twitter zwitschert sie gerne und viel über Social Media und Content Marketing.

5 Kommentare zu “So hilft Social Media bei der Themenrecherche

  1. Hallo Stephanie,

    wow, vielen Dank für die zahlreichen Informationen. Das ein oder andere Tool werde ich mal testen. Ich nutze Warble für mit Keywords für Twitter.. Bin noch nicht lange drauf aufmerksam geworden aber nun gehört es auf meine tägliche To-Do-Liste.

    Grüße,
    Yvonne

    1. Hallo Yvonne,

      sehr gerne. Es ist erstaunlich, was man alles verwenden kann, um eine gründliche Recherche durchzuführen. Am Anfang wusste ich auch nicht, wie ich das bewältigen soll. Die Übung macht’s. 😉

      Ich freue mich auf deine Meinung. Und danke für den Warble-Tipp. Kannte ich selber auch noch nicht. Da sieht man’s mal wieder: Man lernt nie aus.

      Viele Grüße, Stephanie

  2. Hallo Stephanie!

    Vielen Dank für die nützlichen Tipps! 🙂 Ich habe allerdings festgestellt, dass auch eine zu große Fülle an Quellen zur einer Blockade führen kann. “Viel hilft viel” ist ja nicht immer die beste Lösung. Und die Recherche im Netz kann eine ungemeine Fülle an Informationen zutage treten lassen. Das kann einen auch erschlagen und die Blockade verstärken.

    Ich halte es daher für wichtig, sich ein zeitliches Limit zu setzen und dann eine Arbeitsthese zu formulieren, um anschließend die Recherche gezielter fortzusetzen. Wie hältst du es damit?

    Liebe Grüße aus Münster, Edda

    1. Hallo Edda,

      danke für deine Perspektive, die ich in der Tat sehr interessant finde. Natürlich sollte man seine Quellen gründlich wählen. Aber um eine erste Inspiration zu erhalten, finde ich es nicht verkehrt, mehrere Quellen zunächst zurate zu ziehen. Sobald man weiß, in welche Richtung es gehe soll, sollte man natürlich sortierter arbeiten. Ansonsten wird man, wie du bereits gesagt hast, regelrecht erschlagen. 😉

      Man sollte also zwischen Inspirationssuche und Themenrecherche unterscheiden. Wenn man unter Zeitdruck schreibt oder einen Redaktionsplan im Nacken hat – oder mehrere Beiträge auf unterschiedlichen Blogs schreibt 😉 – spielt eine gute Planung natürlich eine wichtige Rolle. Und da setzte ich mir auch gnadenlos immer wieder zeitliche Limits. Aber das kommt auch mit der Schreiberfahrung.

      Wer regelmäßig schreibt, braucht auf jeden Fall mehr “Ordnung” sowie Regeln, um sein Pensum zu schaffen. Wer aus Spaß schreibt, kann es lockerer Angehen. Hängt alles ab von den persönlichen oder beruflichen Ambitionen. Wie denkst du darüber?

      Liebe Grüße aus Oslo, Steffi

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