Nicht jeder Gastbeitrag ist einer , sondern oft Beiträge die bezahlt werden müssten. Doch woran erkennt man solche Anfragen?

Teil 2: Wie du gute Texte schreibst und Leser gewinnst

Gute Texte sind keine Kunst. Sie bedürfen lediglich Übung und Geduld. Kein Schreiber ist vom Himmel gefallen, sondern hat stetig an sich gearbeitet. Du kannst es auch und folgende Tipps können dir da weiterhelfen.

In der letzten Woche gab es die ersten Schreibtipps von den Profis Annette Schwindt, Edda Klepp, Christian Müller und Frank Katzer. Ausgangspunkt war die Diskussion, um die imaginäre Regel, dass ein guter Blogpost mindestens 1.000 Wörter haben muss. Innerhalb dieser Debatte kam auch die Frage auf, was denn eigentlich ein guter Text ist bzw. diesen ausmacht?

Daraufhin habe ich verschiedene Profis aus der schreibenden Zunft gebeten ihre Tipps für einen lesenswerten Artikel zu nennen. Dabei waren nicht nur praxisorientierte Schreibtipps, sondern auch technische Tricks. Ich wusste beispielsweise nicht, dass man an seinem Computer eine Sprachausgabe hat, die man dazu nutzen kann, um sich die Texte vorlesen zu lassen. Dank Frank werde ich diese Funktion sobald wie möglich ausprobieren. Einfach genial 😀

Heute geht es weiter mit den Erfahrungen und Tipps von Kristine Honig, Michael Firnkes, Robert Weller und Walter Epp.

KristineHonig-Bock_ProfilbildKristine Honig kenne ich,  seit ich im Tourismus-Bereich einen Corporate Blog leitend geführt habe. Ihren Blog, passend zum Namen KristineHonig.de, befasst sich mit Social Media im Tourismus, Blogger Relations und dem Bloggen allgemein.  Freiberuflich ist sie als Beraterin und Netzwerkpartnerin bei Tourismuszukunft – Institut für eTourismus tätig.

Kristines Texte machen nicht nur Spaß zu lesen, sondern sind mir immer wieder eine wichtige Wissensquelle.

„Was für mich einen guten Text ausmacht? Abgesehen von einer richtigen Orthografie und Grammatik sowie einer guten Gliederung? Dass er „rund läuft“. Ich lasse meine Texte deshalb nach dem Schreiben erst einmal mindestens eine Nacht liegen. Am nächsten Tag lese ich sie mir noch einmal durch. Logiklücken oder völlig unnötige Sätze lassen sich meist mit etwas Abstand besser erkennen. Außerdem lese ich mir meine Blogbeiträge vor der Veröffentlichung einmal laut vor. Wenn dann an einer bestimmten Stelle ein „ja“ integriert werden muss, damit der Text aus meiner Sicht besser läuft, dann ist das eben so. Beim lauten Lesen merkt man auch am ehesten, wenn der Anfang eines Satzes nach einigen Korrekturen nicht mehr zum Ende des gleichen Satzes passt.

Mein Tipp deshalb: Texte mit etwas Abstand betrachten und laut lesen, um etwaige Ungereimtheiten zu entlarven.“

 

bloggerabc_Michael-FirnkesDass Michael Firnkes Teil dieses Beitrags ist, freut mich besonders. Kennengelernt habe ich ihn durch sein lesenswertes Buch „Blog Boosting“ und seinen Blog „blogprofis“, auf dem er sich mit Corporate Blogs, Blog Marketing und Content Strategien beschäftigt. Michael lebte lange Zeit ausschließlich von seinen Blogs. Heute schreibt er Fachbücher, arbeitet als Corporate Blogger und hält Seminare zum Thema Firmenblogs & Content Marketing.

Auf meine Frage, was einen guten Text ausmacht, geht Michael auf die Artikel für Corporate Blogs ein und beleuchtet damit die journalistischen Möglichkeiten für Unternehmen.

„Als Firmenblogger habe ich die Erfahrung gemacht: Ein Beitrag wird dann als Mehrwert betrachtet und geteilt, wenn er eine Frage beantwortet, zu der es bislang (in dieser Form) noch keine Antwort gibt. Und das möglichst ausführlich, gut strukturiert, mit anschaulichem Bildmaterial versehen. Wenn sich der Text dann auch noch auf andere Produkte als die des Herstellers anwenden lässt, bzw. wenn er bei einer Dienstleistung für sich und nicht für das Portfolio des Unternehmens spricht – perfekt. Entsprechende ausführliche Tutorials wirken insbesondere bei technischen Themen. Doch das Prinzip dahinter kann man auf nahezu alle Branchen anwenden.

In diesem Sinne sehe ich Content Curation-Formate zunehmend skeptisch. Genauso wie die „11 Tipps, wie du/Sie…“. In Teilen haben sich diese überlebt. Es sei denn, sie liefern ihre Inhalte in einer Art und Zusammenstellung, die ebenfalls einzigartig ist. Das kann beispielsweise dann der Fall sein, wenn selten gelesene, neue Informationen fremdsprachiger Blogs/Portale enthalten und verlinkt sind.“

 

robertweller200Robert Weller alias tousehenne gehört zu den Bloggern, deren Texte ich regelmäßig lese. Ich durfte bereits einen Gastartikel zum Thema „Blogg dich zur Marke“ veröffentlichen. Robert gehört zu den nettesten Menschen im Netz und seine Expertise möchte ich nicht missen.  Fragt man Robert nach guten Texten, dann steht für ihn definitiv das Leitmotiv eines Beitrags an oberster Stelle.

„Ich achte beim Schreiben meiner Texte immer auf einen roten Faden. Der fängt an, indem ich den Gegenstand thematisierte/einleite, etwa mittels einer Problemstellung, aktuellen Situation oder Frage. Beim Schreiben des Textes selbst habe ich dann ein (und nur ein einziges) Ziel vor Augen, wo ich mit dem Leser am Ende hin möchte. Dieses Ziel ist der Mehrwert für den Leser, quasi die “Belohnung”, dass er den gesamten Text liest. Ich helfe ihm auf diesem Weg natürlich durch eine klare Struktur, ggfs. sogar ein einleitendes Verzeichnis mit Sprungmarken (was einer Zielgruppe mit unterschiedlichen Voraussetzungen zugute kommt) und eben einem abschließenden Fazit, Wrap-up, Take-Away, Download etc. Die Hauptsache ist, dass sich das Lesen für den Leser gelohnt hat. Das i-Pünktchen ist ein “obvious next step” oder Call to Action, sodass auch ich als Autor profitiere.“

 

Weitere wertvolle Tipps findest du in seinem lesenswerten Artikel „Wie schreibe ich gute Online-Texte“.

bloggerabc_Walter-EppWalter Epp ist Freelance-Texter und Blogger. Wenn er nicht gerade selbst an einem Text schreibt, dann hilft er anderen dabei besser zu schreiben.

Schreiben ist wie Kochen. Pizza ist lecker, aber man kann nicht sieben Tage die Woche Pizza essen. Das heißt, man muss sich genau überlegen, was der Sinn des aktuellen Gerichts ist. Soll der Gast satt werden? Ist es nur ein Dessert? Oder ist es ein 5-Gänge-Menü?

Beim Schreiben gilt das Gleiche: Ist es eine Anleitung? Dann sollte sie detailliert und ausführlich und vor allem lückenlos sein. Ist es ein Motivationsartikel? Dann reichen ein paar Worte, die es genau auf den Punkt bringen. Möchte ich ein Thema umfassend abhandeln? Dann wird es ein List-Post mit 153 Punkten und 3.000 Wörtern.

Mein Rat an die heutige Bloggerwelt ist: Kreiere mehr 5-Gänge-Menüs. Leser werden heute von Millionen Blogs-Posts überflutet – und sie fühlen sich danach als hätten sie 1.000 Kekse gegessen, aber nichts “Vernünftiges”. Hin und wieder sollte es aber auch nur Desserts und Snacks geben – baue deinen Blog aber auf 5-Gänge-Menüs auf. Ich meine nicht einen 300-Wörter-Artikel auf 1.000 aufzublähen, sondern einen 3.000 Wörter-Artikel auf 2.000 Wörter runterzukürzen.

Mein zweiter Rat ist: Präsentiere das 5-Gänge-Menü mit einer Tanzeinlage und einem jonglierenden Clown. Mit anderen Worten: Mehr Drama! Zu viele Blogposts klingen wie Kochbücher und Mikrowellen-Bedienungsanleitungen. Dabei kann man als Blogger doch so viel Farbe und Drama in seine Artikel bringen – ohne zu Schwafeln. Mit Drama meine ich aber auch einen gewissen Spannungsbogen aufzubauen. Wie? Verrate den Mörder nicht am Anfang, benutze Cliffhänger und stelle Fragen, deren Antworten nicht offensichtlich sind.

Und mein letzter Rat: Emotionen. Ich denke, ein guter Text lebt von den Emotionen des Autors und den Emotionen der Leser. Die wichtigste Emotion, die wir als Autoren erzeugen müssen: Empathie. Der Leser muss sich verstanden fühlen. Er muss mitfühlen. Mitleiden. Mitleben. Dazu muss man als Autor einfach öfter die Hosen runter lassen – oder das Hemd aufknöpfen.“

Dazu möchte ich dir eine Beispiel geben, was ich genau meine, wenn ich von Emotionen spreche und gebe dir ein Vorher-Nachher Vergleich:

Vorher: Es kann ganz schön lästig sein den Müll herauszutragen.
Nachher: Es stinkt nach altem Fisch und meine Hände haben gerade in etwas Klebriges gefasst. Ich möchte lieber nicht wissen, was das ist. Kurz vor dem Mülleimer passiert es dann: Der Müllsack reißt. Deshalb hasse ich es, den Müll herauszutragen.
Der Unterschied: Ich sage nicht, dass etwas passiert, sondern ich zeige es. Ich führe dem Leser Details vor Augen (und Nase), damit er die Situation nachempfidet. Dadurch werden manche Passagen länger, aber das ist der Preis eines emotionalen Textes. Zweitens schreibe ich nicht in der dritten Person, sondern in der “Ich-Form”. Und drittens benutze ich harte Worte, weil es zum Gefühl passt: “stinkt”, “ich hasse”.
Leider denken viele Schreiber, dass sie “emotional” schreiben. Dabei konzentrieren sie sich jedoch auf ihre Emotionen und ihr Empfinden. Man sollte sich aber auf den Leser konzentrieren und bei ihm die Emotionen wecken.

 

Fazit

Gute Texte bestehen aus verschiedenen Faktoren. Betrachtet man die verschiedenen Aussagen, der Autoren hier dann lässt sich abschließend festhalten, dass ein „guter“ Text aus verschiedenen Faktoren besteht, die ineinander übergehen:

  1. Kurze Sätze
  2. Keine Füllwörter.
  3. Absätze einfügen
  4. Worte wählen, die präzise das aussagen, was du meinst
  5. Wichtige Begriffe oder Satzelemente hervorheben (fetten, kursiv stellen, unterstreichen etc.)
  6. Zwischenüberschriften verwenden -> Strukturiere damit deinen Text
  7. Quellen nennen
  8. Anwendungsorientiert sein, das heißt auch umsetzbar
  9. Einen roten Faden haben
  10. Informieren und unterhalten
  11. Einen authentischen Stil haben
  12. Zeit à Lasse einen Text auch mal liegen und schaue ihn dir am nächsten Tag an. Vielleicht fällt dir noch auf, wo du ihn verbessern kannst oder welche Formulierungen du ändern möchtest.
  13. Schreibe einen Text, den es so noch nicht gab. Versuche ein Thema aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten und darüber zu erzählen. So erschaffst du einzigartige Inhalte.

 

Worauf achtest du beim Schreiben und wie gehst du vor bevor du deine Texte veröffentlichst?

Bild: Viktor Hanacek picjumbo.com

Diesen Zusatz führe ich aus rechtlichen Gründen an: Apple, the Apple logo and iPhone are trademarks of Apple Inc., registered in the U.S. and other countries.

Du möchtest mehr über das Bloggen und Social Media erfahren?
Dann trage dich für den Newsletter ein und erhalte jede Woche Tipps, Empfehlungen und hilfreiche Informationen kostenlos in deine Inbox. PS: Deine E-Mail-Adresse ist bei mir sicher und Spam wird es nicht geben.

9 Kommentare zu “Teil 2: Wie du gute Texte schreibst und Leser gewinnst

  1. Hallo,
    finde Eure Auflistung wunderbar. Einzig einen Punkt möchte ich gerne noch ergänzen. Eine aktive Formulierung und möglichst viele Verben geben jedem Text mehr Leben. Das geht ganz einfach und das kann auch jeder.

    viele Grüße

  2. Hallo Daniela,

    danke für die verschiedenen Meinungen, die du zusammen getragen hast.
    Ich schreibe immer wieder unterschiedlich lange Beiträge. Ich kann nämlich nicht nur 5 Gänge Menüs essen 😉
    Aber bei den großen Beiträgen hilft es sehr, diese einen Tag ruhen zu lassen.

    Viele Grüße
    Jana

  3. Vielen Dank an die Beitragenden für die persönlichen Tipps! Als Quintessenz ziehe ich mir heraus, dass eher ausführliche, dafür aber gut strukturierte Texte Mehrwert bieten.
    Ich stimme dir, liebe Daniela, auch zu deinem Ausgangssatz direkt zu: Gutes Schreiben kann man lernen. Es erfordert Übung, ist aber keine Zauberei. 🙂

  4. Danke für die ausführliche Zusammenstellung der verschiedenenm Statements, Daniela. Mir hat geholfen, dass Du wichtige Worte fett hervorgehoben hast: das war sehr hilfreich beim “Scannen” 😉

    Ein besonderer Dank gilt Michael Firnkes für diese Aussage:

    In diesem Sinne sehe ich Content Curation-Formate zunehmend skeptisch. Genauso wie die „11 Tipps, wie du/Sie…“. In Teilen haben sich diese überlebt.

    Schade, dass sich das noch nicht bis in jeden Winkel der weiten Bloggerwelt herumgesprochen hat! 😉

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*