Rouven Kasten im Interview: Wie das Blog der GLS Bank selbst langweilige Girokonten verkauft

Was kann ein Unternehmen tun, um neue Kunden zu gewinnen, wenn es ziemlich langweilige Produkte und Dienstleistungen anbietet? Ich habe mit Rouven Kasten gesprochen. Er ist bei der GLS Bank in der Digitalen Kommunikation tätig und für das Blog als auch die Social-Media-Kanäle der sozial-ökologischen Bank zuständig. Von ihm wollte ich wissen, was es braucht, um ein Blog so erfolgreich zu machen, wie das aus Bochum. Denn obwohl der Bankenbereich für viele Menschen nicht besonders sexy ist, wurde das Blog und die Arbeit damit bereits mit Preisen ausgezeichnet. Das spricht für Qualität und von Rouven wollte ich wissen wie das Blog bei der GLS-Bank konkret eingesetzt und bespielt wird.

Blog4Business Rouven Kasten
Foto: RANKIN

Lieber Rouven, was muss ein Blog haben, um sich so lange am Markt behaupten zu können wir euer Blog bei der GLS-Bank?

Als wir vor elf Jahren gestartet sind, gab es erst wenige Unternehmensblogs aber es war uns völlig klar, dass nicht nur Menschen spannende Geschichten zu erzählen haben, sondern auch Unternehmen.

Ich glaube, zunächst mal muss man jedem Format Zeit und Raum geben, sich zu etablieren. Wichtig ist natürlich für ein Blog, dass die Geschichten inhaltlich einen Mehrwert bieten, über das Unternehmen und deren Angebote informieren und den Laser mitnehmen. Wie bei jedem Format kann man nicht von heute auf morgen erwarten, dass es sich sofort amortisiert. Ich habe es oft genug erlebt, dass man einem Format nicht die Zeit gegeben hat, die es braucht und man zu schnell einen digitalen Kanal wieder geschlossen hat.

Was genau wollt ihr mit eurem Corporate Blog erreichen und woran messt ihr, ob ihr erfolgreich damit seid?

Das GLS Blog hat die Aufgabe, mit emotionalen, spannenden und informativen Geschichten das nachhaltige Bankgeschäft zu vermitteln. Auch heute noch können sich viele Menschen nichts unter nachhaltigem Bankgeschäft vorstellen, daher ist es unsere Aufgabe die Menschen dafür zu sensibilisieren. Die Artikel, die wir im Blog schreiben, vermitteln die Themen, mit denen wir uns tagtäglich befassen. Darunter unter anderem Geschichten aus dem Bereichen Ernährung, regenerative Energien, Bildung und Wohnen aber auch Medienkompetenz und vieles mehr. Die GLS Bank ist ja deutlich mehr als eine Geld-Verwahrstelle, wir sind Mittler zwischen Menschen, die auch für Mensch, Umwelt und Gesellschaft einen Wandel bereiten wollen.

Dies unmittelbar zu messen, ähnlich einem Sales Funnel im Abverkauf, ist sehr schwierig, denn ein Konto eröffnet man nicht einfach, in dem man es in den Warenkorb eines Onlineshops legt. Wir stellen aber fest, dass viele Menschen auch vom Blog auf die Webseite kommen und sich dort die Girokonten Seiten durchlesen, um sich weiter darüber zu informieren. Auch die Zahl der Abonnenten vom Blog erhöht sich stetig und die Leser werden kontinuierlich mehr.

Hand aufs Herz: Kann man mit einem Blog und über Social Media etwas so langweiliges wie Girokonten verkaufen?

Natürlich, denn es sind ja die spannenden Geschichten, die sich dahinter verbergen. Ein Girokonto selbst für sich gesehen ist natürlich ein langweiliges Angebot. Wenn man aber bedenkt, welcher gesellschaftliche Impact damit erreicht werden kann, in dem man zum Beispiel klimaverträgliche Projekte damit fördert, sieht es schon ganz anders aus. Es kommt immer auf die Perspektive und die Geschichte dahinter an.

Wie viele Mitarbeiter arbeiten an dem Blog und organisiert ihr euch bei der Produktion von Blogbeiträgen und Social Media Inhalten?

Aktuell besteht unser Digital Team aus vier Personen, die sich wie folgt aufstellen. Unser Kollege Patrick Held kümmert sich um die eigene Community „Futopolis“ als Projektleiter, meine Kollegin Bettina Schmoll kümmert sich um die Webseite und schreibt Blogartikel und den Newsletter. Mein Kollege Johannes von Streit arbeitet von Berlin aus und bespielt hauptsächlich unser neues YouTube Format „Wahn & Sinn“, ich kümmere mich um alle anderen Kanäle sowie das Community Management und den Podcast. Es gibt darüber hinaus im gesamten Haus der GLS Bank viele Kolleginnen und Kollegen, die sich als Gastautoren anbieten und eifrig am Blog mitarbeiten.

Da habt ihr schon ein gute Truppe beisammen, die sich um das Blog und die sozialen Netzwerke kümmern. Welche Social-Media-Kanäle nutzt ihr für das Blog und wie konkret?

In den vergangenen zehn Jahren sind viele Social Media Kanäle hinzugekommen aber auch gegangen. So bespielen wir heute unter anderem Facebook, Twitter, Instagram, Pinterest, Xing, LinkedIn und Nischenkanäle wie Mastodon oder ello. Mastodon hat sich interessanterweise zum viertstärksten Servicekanal entwickelt, weil wir hier eine ganz besondere Personengruppe ansprechen.

Welche Voraussetzungen sind deiner Meinung nach wichtig, damit Content Marketing bei Banken funktioniert und welche Rolle spielt deiner Meinung nach ein Blog darin?

Für uns ist es wichtig, die Werte der GLS Bank zu vermitteln und die Intention die dahinter stehen, nämlich ein nachhaltiges Bankgeschäft fair und transparent darzustellen. Die GLS Bank hat sich vor über 45 Jahren zur Aufgabe gemacht, dass Geld den Menschen dienen soll und so stellen wir uns auch in allen werblichen Kanälen dar.

So haben wir schon immer im Blog Geschichten erzählt, die man vor zehn Jahren eigentlich noch nicht Content Marketing genannt hätte. Gerade bei schwierigen Themen wie CO2-Abgabe, bedingungsloses Grundeinkommen oder vegane Ernährung ist der Blog ein sehr großes Hilfsmittel, um mit Menschen über Kommentare in den Dialog zu kommen. Dies zeigt aber auch die Themenvielfalt der GLS Bank, die sich mitten in einer Transformation vom klassischen Geldhaus zur relevanten Nachhaltigkeitsexpertin verändert.

Wir glauben fest an den Stellenwert eines Blogs und werden dieses auch in den nächsten Jahren mit viel Liebe betreuen und aufrecht erhalten. Dort jetzt auch den Podcast einzubinden, war eine logische Weiterführung unserer Arbeit.

Welche Tipps gibst du Unternehmen, die überlegen mit einem Blog zu starten? Gibt es deiner Meinung nach Voraussetzungen, die unbedingt erfüllt sein müssen?

Ich glaube wenn man sucht, findet man in jedem Unternehmen spannende Geschichten die das Angebot oder den Arbeitgeber auf eine tolle emotionale Art und Weise darstellen. Jeder, der hier in seinem Unternehmen ein wenig sucht, wird sicher fündig werden und sollte damit seinen Blog starten.

Für den Start oder die technische Aufbereitung ist es nicht verkehrt, sich einen Profi zu Rate zu ziehen, um beispielsweise Dinge wie Server und Installationen zu bewältigen, wenn man technisch nicht versiert ist. Mit ein wenig Geschick und ohne Programmierkenntnisse lässt sich heute, zum Beispiel mit WordPress, sehr einfach ein Blog aufsetzen. Und bitte nutzt immer eure eigenen Server, denn wir haben schon oft Drittanbieter erlebt, die von heute auf morgen ihren Kanal geschlossen haben. Die Daten sind dann im schlimmsten Falle weg.

Was dürfen die Besucher bei deinem Vortrag auf der Blog4Business von dir erwarten?

Wenn ich einen Vortrag halten soll, schwanke ich immer ein wenig zwischen „Was soll ich denn erzählen, ich mache ja nur meine Arbeit“ und „Schau mal, so kann spannendes Content Marketing aussehen“ – auch für ein so profanes Angebot wie ein Girokonto. Aber ich werde natürlich versuchen, aus dem Nähkästchen zu plaudern und mit der ein oder anderen Anekdote den Besuchern der Blog4Business vermitteln, dass bloggen Spaß machen kann, sinnvoll ist, und einen deutlichen Mehrwert im Marketing Mix bieten kann.

Lieber Rouven, danke für das Gespräch!

Mehr zum Thema GLS Bank, wie sie ihr Blog nutzen und Blogger Relations umsetzen findest du in:

GLS-Bank im Interview: Corporate Blog & Blogger Relations

 

Kommentare
(3)

  1. Pingback: Henry Schröder von Mittwald im Interview: Was einen guter Hoster ausmacht I bloggerabc

  2. Julia

    Du schreibst “Wir bespielen wir heute unter anderem Facebook, Twitter, Instagram, Pinterest, Xing, LinkedIn und Nischenkanäle wie Mastodon oder ello. ”
    Ist TikTok kein Thema? Warum?

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    1. Rouven Kasten

      Hallo Julia, danke für Deinen Kommentar. Natürlich beschäftigen wir uns auch mit anderen Kanälen, so haben wir auch schon Snapchat, GnuSocial, Diaspora, Google+ und viele weitere Netzwerke bespielt. Die Generation Z werden wir sicher in Zukunft auch verstärkt in Insta-Stories oder auf TikTok erreichen. Ich habe es im Interview einfach nicht erwähnt.

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